Konzipiert und inhaltlich verantwortet von Dipl. Des. Sascha van den Bloock · Gründer, Designer und Geschäftsführer der Büro Bloock Design GmbH · buerobloock.de
April 2026
01 — Einstieg
Ein Werkzeug — kein Dogma.
Dieser Rahmen ist das Arbeitswerkzeug, mit dem wir Inhalte für medizinische Praxis-Websites prüfen — von der Konzeption bis zum Launch-Check. Er ist zweischichtig: rechtlich-ethische Pflichtanker und praktische Qualitätskriterien, die sich über die Arbeit an zahnmedizinischen, oralchirurgischen und allgemeinmedizinischen Websites etabliert haben.
Keine abstrakte Theorie. Jeder einzelne Punkt entsteht aus Entscheidungen, bei denen ein anderer Weg zu rechtlichen Problemen, zu Orientierungsverlust bei Patient:innen oder zu Vertrauenserosion führen würde.
Nicht jedes Projekt braucht die volle Schärfe bei jedem Kriterium. Die Kunst liegt in der bewussten Gewichtung.
02 — Übersicht
17 Kriterien, fünf Kategorien.
Die Kriterien stehen nicht gleichrangig nebeneinander. Rechtliche Pflichtanker sind nicht verhandelbar. Sprache, Nutzerführung und medizinische Qualität lassen sich pro Projekt unterschiedlich gewichten. Technische Sichtbarkeit entscheidet zunehmend darüber, ob eine Praxis in KI-Antworten überhaupt vorkommt.
A · Rechtlich & Compliance
01
YMYL — Your Money or Your Life
Inhalte, die Gesundheit, Sicherheit oder wichtige Lebensentscheidungen betreffen, müssen besonders sorgfältig behandelt werden.
Google-Rahmen für die Bewertung medizinischer Inhalte. Fachliche Verantwortung muss sichtbar sein.
Rechtlich
03
HWG — Heilmittelwerbegesetz
Deutsche Rechtsgrundlage für die Bewerbung von Heilmitteln und Heilbehandlungen. Regelt, was gesagt werden darf und wie.
Rechtlich
04
WCAG 2.1 AA
Barrierefreiheits-Standard. Ab Juni 2025 für deutsche Websites verpflichtend (BFSG).
Rechtlich
B · Inhalt & Sprache
05
Answer-First
Die Hauptaussage kommt in den ersten zwei Sätzen. Patient:innen scannen, sie lesen nicht linear.
Sprache
06
Redundanz & Sprachqualität
Keine Textwüsten, keine Wiederholungen. Jeder Satz trägt eigene Information.
Sprache
07
Konsistenz & Terminologie
Begriffe werden auf der gesamten Website einheitlich verwendet. Fachbegriffe sind einmal definiert und bleiben gleich.
Sprache
08
Sprachniveau (CEFR B1–B2)
Breite Zielgruppen-Spanne bei Praxis-Websites: ältere Menschen, Nicht-Muttersprachler, unterschiedliche Bildungsniveaus.
Sprache
09
Sprachregelung — Gendering
Bewusste Entscheidung für eine einheitliche Schreibweise, die Lesbarkeit, Zugänglichkeit und Fokus auf medizinische Information priorisiert.
Sprache
10
FAQ-Coverage
FAQ beantworten die echten Fragen, die Patient:innen mitbringen. Zusätzlich: LLM-Indexierung.
Sprache
C · Nutzerführung & Intent
11
UX & User-Intent
Patient, Überweiser, Bewerber:in — jede Zielgruppe muss ihren Weg sofort finden.
Nutzerführung
12
Conversion-Pfad
Jede Seite führt auf einen konkreten nächsten Schritt.
Nutzerführung
13
Cross-Referencing
Seiten verweisen aufeinander, wo es sinnvoll ist. Wissen ist verknüpft, nicht isoliert.
Nutzerführung
14
Krisentauglichkeit
Findet jemand mit akuten Schmerzen oder Angst sofort die richtige Information?
Nutzerführung
D · Medizin-spezifisch
15
Indikations-Klarheit
Für wen ist was sinnvoll — und wann nicht? Keine Behandlung als universelle Lösung darstellen.
Medizin
16
Shared Decision Making
Patient:innen bekommen Optionen, Unterschiede, Vor- und Nachteile — nicht ein „Das ist das Richtige für Sie".
Medizin
E · Technische Sichtbarkeit
17
Schema.org & LLM-Indexierung
Strukturierte Daten für Google und KI-Assistenten, die zunehmend Gesundheitsfragen beantworten.
Sichtbarkeit
Teil 1 — Rechtlich & Compliance
Pflichtanker, nicht verhandelbar.
Vier Rahmenwerke definieren, was medizinische Praxis-Inhalte dürfen und müssen. YMYL und E-E-A-T sind Google-seitig. HWG ist deutsches Spezialrecht. WCAG 2.1 AA ist ab 2025 gesetzliche Pflicht. Keine dieser vier lässt sich durch ein gutes Konzept ersetzen.
01
Rechtlich · Kriterium 01
YMYL — Your Money or Your Life.
Was es ist
Ein Klassifizierungs-Rahmen von Google für Inhalte, bei denen unklare, irreführende oder schwache Informationen negative Folgen für Gesundheit, Sicherheit oder wichtige Lebensentscheidungen haben können. Medizinische Praxis-Websites sind immer YMYL.
Google wendet bei YMYL-Inhalten strengere Qualitätsmaßstäbe an. Inhalte, die den YMYL-Standard verletzen, ranken schlechter — unabhängig von sonstiger SEO-Arbeit. Wichtiger noch: Menschen treffen auf Basis dieser Inhalte Gesundheitsentscheidungen. Der Standard ist ethisch begründet, nicht nur technisch.
Was wir prüfen
Werden medizinische Aussagen fachlich verantwortet (Autor-Card)?
Sind Vergleichsangaben („geringer als“, „schneller“, „besser“) belegbar oder vermieden?
Werden Risiken neben Vorteilen genannt?
Wird Unsicherheit ehrlich kommuniziert oder geglättet?
Sind absolute Superlative (beste, sicherste, einzige) vermieden?
Rote Flaggen
Die einzige Methode, die… — absolute Claims
100 % schmerzfrei — unverifizierbare Absolutheit
Pauschale Heilsversprechen
Nur-positive Darstellung von Eingriffen
Fehlende Alternativen-Darstellung
Beispiel
NEINEin DVT-Gerät wird im Text als „punktgenau“ beschrieben.
JA„präzise“ — biologische Vorgänge sind nie im Wortsinne punktgenau.
02
Rechtlich · Kriterium 02
E-E-A-T — Wer spricht hier eigentlich?
Was es ist
Googles Qualitätsrahmen speziell für medizinische Inhalte. Vier Säulen: Experience (praktische Erfahrung), Expertise (formale Qualifikation), Authoritativeness (Anerkennung im Feld), Trustworthiness (Verlässlichkeit der Aussagen).
E-E-A-T-Signale entscheiden bei medizinischen Inhalten über Sichtbarkeit. Aber wichtiger: Sie entscheiden darüber, ob Menschen einer Praxis vertrauen, bevor sie sie persönlich kennenlernen.
Was wir prüfen
Ist sichtbar, wer die Inhalte verantwortet (Autor-Card)?
Steht bei jedem medizinischen Inhalt ein Stand- oder Prüfdatum?
Werden Fachgesellschaften, Qualifikationen, Spezialisierungen sichtbar gemacht?
Zeigt die Seite konkrete Belege für Kompetenz, nicht nur Behauptungen?
Gibt es strukturelle Verantwortungsketten (Behandlungsseite → Autor-Profil)?
Konkrete Umsetzungs-Bausteine
Autor-Card am Ende jeder medizinischen Seite — Foto, Name, Position, Prüfdatum, Link zum Profil
Profilseiten pro behandelnder Person, eigenständig crawlbar
Schema.org Physician Markup im HTML
Qualitätsnachweise (Fachgesellschaft, Zertifizierung) an passender Stelle
Interne Verlinkung Behandlungsseite → Profil
Rote Flaggen
Medizinische Inhalte ohne erkennbare Verantwortungsperson
Stock-Fotos statt echter Porträts
Generische „Team“-Seite ohne Einzelprofile
Keine sichtbaren Fachgesellschafts-Mitgliedschaften oder Qualifikationen
Behandlungsseiten mit Content, aber ohne Verbindung zum Behandelnden
03
Rechtlich · Kriterium 03
HWG — Heilmittelwerbegesetz.
Was es ist
Deutsches Spezialrecht (§1 ff. HWG), das die Bewerbung von Arzneimitteln, Medizinprodukten und Heilbehandlungen reguliert. Gilt für jede Außenkommunikation medizinischer Einrichtungen — inklusive Websites.
HWG-Verstöße führen zu Abmahnungen durch Wettbewerber oder die Wettbewerbszentrale. Abmahnkosten beginnen bei ca. 1.500 € und eskalieren schnell. Verstöße sind nicht optional korrigierbar — sie müssen vermieden werden.
Die zentralen HWG-Prinzipien
§3 HWG — Irreführungsverbot. Aussagen dürfen nicht täuschen, übertreiben oder nicht belegbare Wirkungen versprechen.
§11 HWG — Publikumswerbung. Vorher-Nachher-Bilder (außerhalb enger Ausnahmen), Erfolgsgarantien, Angstmache, Werbung mit Krankheitsbildern sind eingeschränkt.
Keine Superlative. „Der Beste“, „einzigartig“, „führend“ sind grenzwertig bis unzulässig, wenn nicht objektiv belegbar.
JA„Bei längeren Eingriffen oder ausgeprägter Zahnbehandlungsangst.“ Beschreibt eine Indikation.
NEIN„Entspannt durch den Termin — wir bieten Narkose.“ Positioniert Narkose als Komfort-Leistung.
04
Rechtlich · Kriterium 04
WCAG 2.1 AA — Barrierefreiheit.
Was es ist
Web Content Accessibility Guidelines 2.1, Konformitätsstufe AA. Internationaler Standard für barrierefreie Websites. In Deutschland durch das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) ab 28.06.2025 für viele Branchen verpflichtend.
Rechtliche Pflicht ab 2025. Darüber hinaus: gerade Praxen mit älteren Patient:innen oder Patient:innen mit Beeinträchtigungen sind ohne Barrierefreiheit faktisch nicht erreichbar.
Was wir prüfen
Farbkontrast für Text mindestens 4.5:1 (Fließtext), 3:1 (große Überschriften)
Semantische HTML-Struktur (H1 → H2 → H3, kein Überspringen)
Alt-Texte für Bilder mit Informationswert
Tastatur-Navigation auf allen interaktiven Elementen möglich
Fokus-Indikatoren sichtbar
Keine Information nur über Farbe kodiert
Textvergrößerung bis 200 % ohne Layout-Bruch
Formular-Labels immer sichtbar, nicht nur per Placeholder
Rote Flaggen
Hellgrauer Text auf weißem Hintergrund (unter 4.5:1 Kontrast)
Mehr erfahren-Buttons ohne Kontext
Videos ohne Untertitel
Links nur durch Farbe unterscheidbar
Formulare, deren Pflichtfelder nur durch Sternchen ohne Beschriftung markiert sind
Teil 2
Inhalt & Sprache.
Sechs Kriterien, die bestimmen, ob Menschen den Inhalt wirklich verstehen. Answer-First und klare Terminologie sind die grobe Mechanik. Sprachniveau und konsequentes Gendering-Handling sind die Feinarbeit, die den Unterschied macht, wenn jemand in einer Stress-Situation auf die Seite kommt.
05
Sprache · Kriterium 05
Answer-First — die Antwort zuerst.
Was es ist
Die Hauptaussage steht in den ersten zwei Sätzen. Patient:innen kommen oft mit Unsicherheit, Schmerz, Zeitdruck — sie scannen, sie lesen nicht linear.
Wer nach drei Sekunden nicht weiß, was eine Seite ihm oder ihr sagt, verlässt sie. Zusätzlich: KI-Assistenten und Suchmaschinen extrahieren bevorzugt die ersten Absätze einer Seite — Answer-First verbessert also auch die maschinelle Sichtbarkeit.
Was wir prüfen
Erklärt der erste Absatz, worum die Seite geht?
Steht die Kernaussage vor oder nach einführenden Ritualen?
Sind Headlines nicht nur thematisch, sondern antwortend („Was ist…“, „So machen wir…“)?
Kann man die Seite mit bloßem Scannen der H1 + H2 + H3 verstehen?
Rote Flaggen
Langer, atmosphärischer Einstieg ohne konkrete Aussage
Headlines wie Willkommen oder Über uns — ritualistisch, nicht antwortend
Kernaussage erst in Absatz drei
Beispiel
NEIN„Wir freuen uns, Ihnen unsere Praxis vorstellen zu dürfen.“
JA„PAR ist eine spezialisierte oralchirurgische Praxisklinik in Neuenburg am Rhein.“
06
Sprache · Kriterium 06
Redundanz — jeder Satz zählt.
Was es ist
Jeder Satz trägt eigene Information. Keine zweifachen Aussagen, keine Füllwörter, keine Wiederholungen zwischen Sections.
Redundanz wirkt nicht nur unprofessionell — sie senkt das Vertrauen. Wenn eine Seite denselben Inhalt dreimal in verschiedenen Worten sagt, fragt sich der oder die Lesende, warum das nötig ist. Unsicherheit untergräbt Expertise.
Was wir prüfen
Werden dieselben Aussagen in verschiedenen Sections wiederholt?
Enthält der Subhead einer Section neue Information oder die bereits im H2 gesagte?
Wiederholt die Seite die Header-Navigation in ihrem Content?
Stehen dieselben Werbeversprechen mehrfach auf derselben Seite?
Rote Flaggen
H2 und Subhead sagen dasselbe in anderen Worten (Was uns auszeichnet / Was unsere Praxis besonders macht)
CTA-Aussage steht identisch auf Startseite, Behandlungsseite und Kontaktseite
Formelhafter Einstieg: modern und patientenorientiert — steht auf 80 % aller Praxis-Websites
07
Sprache · Kriterium 07
Konsistenz — ein Begriff pro Sache.
Was es ist
Begriffe werden auf der gesamten Website einheitlich verwendet. Fachbegriffe werden einmal definiert und bleiben gleich. Stil und Tonalität halten durch.
Inkonsistenz signalisiert Unordnung. Wenn eine Seite „Beratungstermin“ sagt und die nächste „Erstgespräch“, bleibt unklar, ob das dasselbe ist. Patient:innen müssen nicht raten, sondern Orientierung bekommen.
Was wir prüfen
Haben wir ein festes Terminologie-Set pro Projekt? (Beratungstermin / Eingriff / Nachsorge — je einen Begriff pro Konzept)
Werden Fachbegriffe einheitlich eingeführt (bei erstem Auftreten erklärt, dann abgekürzt)?
Ist das Gendering einheitlich gelöst (durchgängig oder gar nicht)?
Werden Produkte und Leistungen mit denselben Namen benannt?
Rote Flaggen
Implantation / Implantat-Versorgung / Zahnimplantat in einer Section wechselnd
OP-Saal auf einer, Operationssaal auf der nächsten Seite
Narkose / Vollnarkose / Allgemeinanästhesie ohne klare Trennung
SETBeratungstermin · Eingriff · Nachsorge · Termin — jeder Begriff hat genau eine Bedeutung und wird nicht ersetzt.
08
Sprache · Kriterium 08
Sprachniveau — CEFR B1–B2.
Was es ist
CEFR (Common European Framework of Reference for Languages) ist der europäische Referenzrahmen für Sprachkompetenz. B1 entspricht fortgeschrittenen Anfänger:innen, B2 selbstständigen Sprachverwender:innen. B1–B2 ist für allgemein zugängliche Inhalte im Gesundheitsbereich die Faustregel.
Die Zielgruppen-Spanne in Praxis-Websites ist enorm: ältere Menschen, Nicht-Muttersprachler:innen, Patient:innen in Stress-Situationen. C1-Vokabular schließt einen relevanten Teil dieser Gruppe aus.
Was wir prüfen
Sind lange Nominalphrasen aufgelöst? („die Möglichkeit der Behandlung“ → „wir behandeln“)
Werden aktive statt passive Konstruktionen bevorzugt?
Die Beurteilung des Knochenangebotes statt wir sehen, wie viel Knochen da ist
Satzketten mit mehr als drei Nebensätzen
Passivkonstruktionen ohne Grund (Es wird empfohlen, dass…)
Ausnahme: Überweiser-spezifische Inhalte dürfen Fachvokabular beibehalten. Die Zielgruppe ist fachlich trainiert. Wichtig ist die klare Trennung — wer-spricht-zu-wem wird durch Labels wie „Für überweisende Praxen“ markiert.
09
Sprache · Kriterium 09
Gendering — handwerklich, nicht politisch.
Unsere Position
Auf unseren Praxis-Websites gendern wir nicht mit Sonderzeichen. Kein Gendersternchen, Doppelpunkt, Binnen-I, Unterstrich, Schrägstrich. Stattdessen wählen wir pro Formulierung den besten der folgenden drei Wege:
1. Neutrale Umformulierung — der bevorzugte Weg („das Team“ statt „Mitarbeiter:innen“).
2. Direkte Ansprache — „Sie“ und „Ihnen“ schließt alle ein, ohne Markierung.
3. Generisches Maskulinum — dort, wo Umformulierung den Satz unnötig kompliziert macht.
Umformulierung schlägt direkte Ansprache, direkte Ansprache schlägt generisches Maskulinum.
Warum diese Entscheidung
Lesbarkeit für die tatsächliche Zielgruppe. Praxis-Websites werden von älteren Menschen, Menschen in Stress-Situationen, Nicht-Muttersprachler:innen und Menschen mit Sehbeeinträchtigungen gelesen. Für diese Gruppen ist jedes zusätzliche Sonderzeichen eine Lesebarriere.
Screenreader-Kompatibilität. Screenreader lesen „Patient:innen“ je nach Konfiguration als „Patient Doppelpunkt innen“. Die WCAG 2.1 AA-Standards empfehlen, solche Konstruktionen zu vermeiden.
Medizinische Klarheit ist YMYL-Pflicht. Wenn Lesende über die Schreibweise stolpern, sinkt das Textverständnis.
Konsistenz als Designwert. Halbe Lösungen sind schlechter als entschiedene.
Fokus auf den Inhalt. Wenn eine Seite gut gemacht ist, merkt niemand die Schreibweise.
Reformulierungs-Strategien
Die meisten vermeintlich notwendigen Gendering-Momente lösen sich durch bessere Formulierungen auf. Deutschsprachige Medizin hat funktionale Kollektiv-Begriffe („das Team“, „die Praxis“, „das ärztliche Personal“), die Geschlechter-Aufzählungen meist überflüssig machen.
Statt
Besser
Patient:innen mit Angst
Menschen mit Behandlungsangst
Wir betreuen unsere Patient:innen
Wir betreuen Sie
Informationen für Patient:innen
Informationen für Patienten
Unsere Ärzt:innen
Unser Team, das ärztliche Team
Überweisende Ärzt:innen
Überweisende Praxen
Unsere Mitarbeiter:innen
Unser Team
Ihre Behandler:innen
Ihr Behandlungsteam
Kolleg:innen aus der Region
Praxen aus der Region
Ausnahmen
AGG-Pflicht bei Stellenausschreibungen. Immer „m/w/d“ an der Stellenbezeichnung — gesetzliche Pflicht, unabhängig von der Haltung zum Gendering.
Zitate. Wörtliche Zitate werden nicht verändert.
Gastbeiträge. Externe Texte respektieren die Schreibweise der Autor:innen, soweit sie konsistent ist.
Einzelpersonen. Wenn eine konkrete Person benannt ist, ist das kein Gender-Thema.
Eine ausführliche Argumentationshilfe mit Antworten auf typische Einwände findet sich im Appendix am Ende dieses Dokuments.
10
Sprache · Kriterium 10
FAQ-Coverage — die echten Fragen.
Was es ist
Ein FAQ-Bereich, der die echten Fragen beantwortet, die Patient:innen mitbringen — nicht die Fragen, die die Praxis gern beantworten würde.
FAQ sind doppelt wirksam: sie nehmen konkrete Unsicherheiten (UX), und sie werden von Suchmaschinen und KI-Assistenten bevorzugt indexiert (Sichtbarkeit). Eine gut gemachte FAQ-Sektion ist oft das meistgelesene Element einer medizinischen Seite.
Was wir prüfen
Enthält die FAQ Fragen, die Patient:innen tatsächlich stellen — nicht Marketing-Fragen?
Sind Antworten direkt und verständlich, nicht defensiv-juristisch formuliert?
Gibt es FAQ-Akkordeons auf Behandlungsseiten, nicht nur auf einer zentralen FAQ-Seite?
Werden Ängste explizit adressiert (Schmerz, Kosten, Dauer, Komplikationen)?
Werden keine Ängste verschwiegen, die offensichtlich im Raum stehen?
Rote Flaggen
Warum sind Sie bei uns richtig? — Marketing-Frage, keine Patientenfrage
Antworten wie Sprechen Sie uns gern an — kein Inhalt
FAQ nur auf einer separaten Seite, nicht themenbezogen in Behandlungsseiten
Formelhafte Allgemeinplätze: Jeder Fall ist individuell
Typische echte Patientenfragen
Tut das weh?
Was kostet das?
Wie lange dauert die Heilung?
Was ist, wenn etwas schiefgeht?
Muss ich Schmerzmittel nehmen?
Darf ich nach dem Eingriff Auto fahren?
Diese Fragen werden selten so direkt gestellt — aber sie werden in Browser-Suchleisten eingegeben. Wer sie beantwortet, gewinnt Vertrauen und Sichtbarkeit.
Teil 3
Nutzerführung & Intent.
Vier Kriterien, die darüber entscheiden, ob jemand überhaupt zu dem findet, wofür er oder sie gekommen ist. Patient, Überweiser, Bewerber:in — jede Gruppe hat eigene Erwartungen. Und jede Seite braucht einen erkennbaren nächsten Schritt, sonst verpufft die beste Information.
11
Nutzerführung · Kriterium 11
UX & User-Intent — für wen ist diese Seite?
Was es ist
Jede Seite ist auf eine klar definierbare Nutzer-Absicht optimiert. Für Praxis-Websites typisch sind drei primäre Intents: Patient:in informiert sich, Überweiser:in prüft, Bewerber:in bewertet.
Eine Website, die alle drei Gruppen gleich bedient, bedient keine gut. Die klarste Lösung ist nicht Trennung, sondern sichtbare Nutzerpfade.
Was wir prüfen
Kann ein:e Patient:in in drei Sekunden erkennen, dass die Seite für sie oder ihn relevant ist?
Findet ein:e Überweiser:in die relevanten Informationen in maximal zwei Klicks?
Wird Bewerber:innen-Kommunikation klar von Patient:innen-Kommunikation getrennt?
Sind CTAs pro Zielgruppe verschieden und sichtbar?
Umsetzung
Getrennte CTAs in der Header-Navigation („Termin“ gegenüber „Patient:in überweisen“)
Überweiser-Bereich mit eigener Optik — weniger warm, mehr prozess-orientiert
Karriere-Bereich mit eigener Sprache — weniger Patienten-Empathie, mehr Team-Persönlichkeit
Rote Flaggen
Über uns als einziger Einstieg
Kontaktformular, das Patient:in und Überweiser:in gleich behandelt
Karriere-Seite als verstecktes Footer-Link
12
Nutzerführung · Kriterium 12
Conversion-Pfad — ein nächster Schritt.
Was es ist
Jede Seite endet auf einem klar benennbaren nächsten Schritt. Wer die Seite liest, weiß danach, was er oder sie tun kann.
Websites, die nur informieren, verpuffen. Informationsvermittlung ohne Handlungspfad ist Content-Kosmetik.
Was wir prüfen
Hat jede Seite eine primäre CTA am Ende?
Ist die CTA dem Inhalt angemessen — nicht überall „Termin buchen“?
Gibt es sekundäre Pfade für Lesende, die noch nicht handeln wollen?
Sind CTAs visuell erkennbar, aber nicht aufdringlich?
Kompetenz-Seite → „Beratung anfragen“ (leise, weil Content Vertrauensbau ist)
Kontakt-Seite → Telefon-aktiviert, Mail-aktiviert, Route starten
Rote Flaggen
Dieselbe CTA auf allen Seiten
Keine CTA am Ende einer 2000-Wort-Seite
Aufdringliche Popups, die den Content verdecken
CTAs, die auf externe Buchungssysteme führen, ohne Vorankündigung
13
Nutzerführung · Kriterium 13
Cross-Referencing — Wissen ist vernetzt.
Was es ist
Seiten verweisen aufeinander dort, wo es inhaltlich sinnvoll ist. Wissen ist verknüpft, nicht isoliert.
Jede Seite ist ein möglicher Einstiegspunkt. Patient:innen landen über Google auf einer Behandlungsseite, nie auf der Startseite. Von dort müssen sie zu den passenden vertiefenden Inhalten geführt werden.
Was wir prüfen
Behandlungsseite → Wer behandelt (Ärztliche Kompetenz)
Behandlungsseite → Wie wir beraten (Shared Decision Making)
Crosslink-Kacheln am Seitenende, aber inhaltlich relevant — nicht generisch Mehr erfahren
Inline-Links im Fließtext, wo konkrete Themen erwähnt werden
Rote Flaggen
Behandlungsseiten, die isoliert wirken
Identischer Crosslink-Block (Weitere Leistungen) unten auf allen Seiten
Überweiser-Seite ohne Crosslink zur Kompetenz-Seite
14
Nutzerführung · Kriterium 14
Krisentauglichkeit — wenn's dringend ist.
Was es ist
Website-Tauglichkeit im Stress-Fall. Ein:e Patient:in mit akuten Schmerzen, Angst oder akuter Unsicherheit findet sofort die richtigen Informationen.
Etwa 20–30 % der Zugriffe auf medizinische Praxis-Websites erfolgen in Stress-Situationen. Die Website muss dann anders funktionieren als im Normalfall — schneller, direkter, handlungsorientiert.
Was wir prüfen
Gibt es auf jeder Seite einen sichtbaren Notfall-Hinweis (Bereitschaftsdienst 116 117 oder ä.)?
Ist die Telefonnummer auf Mobile als Tap-to-Call aktiviert?
Sind Öffnungszeiten und „Was tun außerhalb“ klar benannt?
Werden typische Schmerz- und Angst-Situationen auf Patienteninfo-Seiten aufgegriffen?
Umsetzung
Notfall-Zeile im Sprechzeiten-Block: „Im Notfall: Ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117“
Hervorhebungs-Box auf Patienteninfos: „Wann Sie sich bei uns melden sollten“
Tap-to-Call auf Header-Telefonnummer
Explizite Sätze wie „Wenn Sie sich unsicher sind, rufen Sie uns an — auch kurzfristig.“
Rote Flaggen
Telefonnummer als Bild statt als Tap-to-Call-Link
Keine Info, was außerhalb der Sprechzeiten zu tun ist
Kontakt-Seite ohne Adressangabe in Text (nur auf Map)
Jetzt Online-Termin buchen als einziger CTA, ohne direkten Kontakt-Fallback
Teil 4
Medizin- spezifisch.
Zwei Kriterien, die nur in medizinischen Kontexten eine Rolle spielen — aber dort die wichtigsten sind. Indikations-Klarheit trennt Fachkommunikation von Werbung. Shared Decision Making ist ethisches Prinzip und Content-Strategie in einem.
15
Medizin · Kriterium 15
Indikations-Klarheit — für wen, wann nicht?
Was es ist
Für jede Behandlung wird sichtbar gemacht: Wann ist sie sinnvoll, wann nicht? Wer ist Zielpatient:in? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?
Ohne Indikations-Klarheit wirken alle Behandlungen wie universelle Angebote — das ist HWG-grenzwertig und patientenseitig verunsichernd. Außerdem: Patient:innen, die für eine Behandlung nicht geeignet sind, sollen das selbst erkennen können, bevor sie in die Praxis kommen.
Was wir prüfen
Sagt jede Behandlungsseite, für wen die Behandlung sinnvoll ist?
Werden Grenzen benannt (wann ist etwas nicht die richtige Wahl)?
Werden Voraussetzungen erklärt (Knochenangebot, Gesundheitszustand, Vorbehandlungen)?
Wird klar gemacht, was der Beratungstermin klärt?
Beispiel
NEIN„Implantate sind die ideale Lösung für fehlende Zähne.“
JA„Implantate sind in vielen Situationen eine gute Lösung. Ob sie in Ihrem konkreten Fall sinnvoll sind, hängt vom verfügbaren Knochen, Ihrer Gesundheit und Ihren Erwartungen ab. Das klären wir im Beratungstermin.“
Rote Flaggen
Behandlung als universelle Lösung dargestellt
Keine Alternativen erwähnt
Keine Einschränkungen genannt
Jetzt Termin vereinbaren ohne Klärung, ob die Behandlung passt
16
Medizin · Kriterium 16
Shared Decision Making — gemeinsam entscheiden.
Was es ist
Ein medizinethisches Prinzip: Patient:innen treffen Entscheidungen gemeinsam mit den Behandelnden, auf Basis transparenter Optionen. Die Website unterstützt diesen Prozess, ersetzt ihn aber nicht.
Gerade in der Zahnmedizin stehen Patient:innen oft vor echten Abwägungen — Implantat gegenüber Brücke gegenüber Prothese, Knochenaufbau ja oder nein, Weisheitszahn entfernen oder beobachten. Websites, die nur eine Lösung als „die beste“ darstellen, führen in eine schlechte Entscheidungs-Basis — und zu unzufriedenen Patient:innen nach der Behandlung.
Was wir prüfen
Werden Behandlungs-Optionen verständlich nebeneinander gestellt?
Werden Unterschiede, Vor- und Nachteile erklärt?
Gibt es Entscheidungs-Hilfen (Checklisten, „Was Sie vorher wissen sollten“)?
Wird klar, dass die endgültige Entscheidung im Beratungsgespräch fällt, nicht vorher?
Werden Risiken nüchtern benannt, nicht dramatisiert, nicht verschwiegen?
Umsetzung: Behandlungsseiten-Struktur
Für wen sinnvoll → Welche Optionen → Was passiert → Risiken & Grenzen → Vor- & Nachsorge
Wir empfehlen XY als einzige Aussage, ohne Alternativen
Risiken verschwiegen oder in Mini-Print versteckt
Behandlungsseiten, die wie Verkaufsgespräche wirken
Keine Erwähnung von konservativen Alternativen
Teil 5
Technische Sichtbarkeit.
Ein einziges Kriterium, das aber zunehmend wichtiger wird — weil die Website nicht mehr nur mit anderen Websites konkurriert, sondern mit KI-Antworten.
17
Sichtbarkeit · Kriterium 17
Schema.org — für Mensch und Maschine.
Was es ist
Schema.org ist ein Vokabular für strukturierte Daten, das Suchmaschinen und KI-Assistenten sagt: Dieser Inhalt ist eine Arztpraxis, dieser eine ärztliche Person, dieser eine medizinische Behandlung. Machinenlesbare Metadaten im HTML-Code.
1 von 3 Personen nutzt wöchentlich KI-Tools für Gesundheitsfragen (Stand 2025). Die Website konkurriert nicht mehr nur mit anderen Praxis-Websites in Google-Ergebnissen, sondern mit KI-Antworten. Strukturierte Daten entscheiden, ob eine Praxis in diesen Antworten vorkommt.
Was wir prüfen
Ist auf der Praxis-Startseite MedicalClinic oder Physician-Markup?
Haben Profilseiten Physician-Markup mit vollständigen Angaben (Spezialisierung, Qualifikation, Mitgliedschaften)?
Haben Behandlungsseiten MedicalWebPage-Markup mit reviewedBy und lastReviewed?
Ist die Adresse als PostalAddress strukturiert?
Werden Öffnungszeiten als openingHoursSpecification ausgezeichnet?
Beispiel: Minimaler Physician-Block
// JSON-LD im <head> einer Profilseite
{
"@context": "https://schema.org",
"@type": "Physician",
"name": "Dr. Max Muster",
"medicalSpecialty": "OralSurgery",
"memberOf": {
"@type": "MedicalOrganization",
"name": "DGMKG"
}
}
Umsetzung
wp_head-Injection im WordPress-Setup
Automatische Generierung aus ACF-Feldern (Name, Titel, Spezialisierung)
Validierung via Google Rich Results Test vor Launch
Rote Flaggen
Kein strukturiertes Markup vorhanden
Markup vorhanden, aber mit Fehlern (fehlende Pflichtfelder)
Markup zeigt Inhalte, die auf der Seite nicht sichtbar sind — Google bestraft das als Manipulation
Teil 6
Prozess- Integration.
Der Rahmen entfaltet seinen Wert nur, wenn er in den Projekt-Prozess eingebunden ist — nicht als nachgelagerter Check. Fünf Phasen, in denen die Kriterien an unterschiedlichen Stellen greifen.
01
Konzeptionsphase
Die rechtlichen Rahmenwerke sind Pflichtlektüre, bevor Content entsteht. Grundentscheidungen für das ganze Projekt werden hier getroffen.
HWG, YMYL und E-E-A-T sind Pflichtlektüre, bevor Content entsteht
Zielgruppen-Spanne und Sprachniveau werden definiert
Terminologie-Set wird festgelegt (Beratungstermin gegenüber Erstgespräch etc.)
Sprachregelung (Gendering-Position) wird mit der Praxis abgestimmt
Shared-Decision-Making-Struktur wird als Template für Behandlungsseiten festgelegt
02
Content-Produktion
Die inhaltliche Umsetzung folgt den in der Konzeption gesetzten Regeln — jede Seite wird von Anfang an sauber gebaut, nicht nachträglich korrigiert.
Jede neue Seite wird nach Answer-First-Prinzip strukturiert
Jede medizinische Aussage wird HWG-gecheckt, bevor sie gesetzt wird
Autor-Card-Verantwortung wird festgelegt, bevor Content entsteht
03
Design-Entwicklung
Design und Content laufen parallel. Barrierefreiheit, Mobile-First und Conversion-Pfade sind Design-Entscheidungen, nicht Content-Entscheidungen.
WCAG 2.1 AA wird in Design-Tokens abgebildet (Kontraste, Fokus-States)
Mobile-First bedeutet Mobile-Design zuerst, Desktop als Erweiterung
Conversion-Pfade werden pro Template definiert
04
Launch-Check
Vor dem Live-Gang wird systematisch geprüft. Nicht punktuell, sondern mit allen 17 Kriterien als Checkliste.
Kompletter Content-Durchgang mit allen 17 Kriterien als Checkliste
Shared Decision MakingPartizipative Entscheidungsfindung — Leitlinien und Qualitätssicherung
Übersicht öffnen
Dieses Dokument ist Arbeitsgrundlage, nicht Dogma. Der Rahmen ist in der praktischen Arbeit der Büro Bloock Design GmbH an Praxis-Websites entstanden und wird fortlaufend aktualisiert und ergänzt.
Appendix
Gendering — Argumentationshilfe.
Dieser Appendix ergänzt Kriterium 09. Die folgenden Einwände begegnen uns in Client-Gesprächen regelmäßig. Die Antworten sind als Gesprächsgrundlage gedacht — nicht als zu verteilendes Material, sondern als Werkzeug für die Person, die das Gespräch führt.
Gendering ist inklusiver — ohne Gendering fühlen sich Frauen nicht angesprochen.
Inklusivität entsteht durch das Gemeinte, nicht durch Sonderzeichen. „Unser Team betreut Sie individuell“ spricht Patientinnen genauso an wie „Unser Team betreut alle Patient:innen“. Der erste Satz setzt Inklusivität voraus, der zweite signalisiert sie. Voraussetzen ist selbstverständlicher als signalisieren.
Tatsächlich inklusiver als Sonderzeichen-Gendering ist: Text schreiben, der für alle lesbar ist — auch für die 15 % der Bevölkerung ohne Deutsch als Muttersprache und die Leser:innen mit Screenreadern. Diese Menschen verlieren am meisten durch Sonderzeichen-Gendering.
Das generische Maskulinum schließt Frauen aus — Studien zeigen das.
Studien zum „male bias“ des generischen Maskulinums existieren, sind aber umstritten und zeigen uneinheitliche Effekte. Eindeutige Evidenz, die eine klare Aussage rechtfertigt, gibt es nicht.
Wichtiger: Auch wenn man die Studien ernst nimmt, ist die Lösung nicht Sonderzeichen, sondern Vermeidung des generischen Maskulinums durch Umformulierung — genau unser bevorzugter Weg. „Unser Team betreut Sie“ ist frei von maskulinem Bias und frei von Sonderzeichen. Das ist die beste Lösung für beide Bedenken.
Ohne Gendering wirkt die Praxis konservativ oder altbacken.
Das ist ein Bauchgefühl-Argument. Wir haben moderne Websites ohne Gendering gebaut, und sie wirken modern — weil Modernität über Typografie, Bildsprache, UX und Content-Tiefe entsteht, nicht über Sonderzeichen. Umgekehrt gibt es gegenderte Websites, die trotzdem altbacken wirken.
Falls es eine spezifische Zielgruppe gibt, die Nicht-Gendering aktiv negativ bewertet (sehr akademisches Milieu, urbane Jung-Zielgruppe unter 35), kann man das pro Projekt diskutieren. Für eine Praxis mit breiter Patient:innen-Spanne ist diese Zielgruppe nicht dominant.
Alle anderen Praxen gendern inzwischen — wir wirken aus der Zeit gefallen.
Erstens: Nein, nicht alle. Ein Blick auf große Klinikketten, universitäre Zahnmedizin-Abteilungen und seriöse Fach-Websites zeigt, dass der Anteil ohne Gendering erheblich ist.
Zweitens: Wir machen Dinge nicht, weil andere sie machen, sondern weil sie für die Zielgruppe funktionieren. Eine Website, die sich an Schreibkonventionen anderer Praxen orientiert, macht denselben Fehler wie eine Praxis, die ihre medizinischen Entscheidungen an Nachbarpraxen orientiert.
Das ist nicht mehr zeitgemäß.
Zeitgemäß ist, was für die Zielgruppe funktioniert. Für eine Praxis-Website ist zeitgemäß: barrierefrei, in verständlichem Deutsch, medizinisch sauber, klar strukturiert. Das erreichen wir besser ohne Sonderzeichen als mit.
„Zeitgemäß“ im Sinne aktueller Mode ist ein Konzept, das sich alle drei bis fünf Jahre dreht. Eine Website, die wir heute bauen, soll mindestens fünf Jahre tragen. Entscheidungen aus handwerklichen Gründen altern besser als Entscheidungen aus Mode-Gründen.
Das ist Diskriminierung.
Diskriminierung ist eine Handlung oder Haltung, die Menschen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer Gruppe schlechter behandelt. Eine Schreibkonvention ist weder eine Handlung noch eine Haltung.
Wenn wir „Unser Team betreut Sie“ schreiben statt „Unser Team betreut Patient:innen“, behandeln wir niemanden schlechter. Wir wählen eine Formulierung, die alle gleich anspricht, ohne eine Gruppe durch Nicht-Nennung zu verletzen. Das ist das Gegenteil von Diskriminierung.
Die Praxis möchte explizit inklusiv wirken.
Wenn die Praxis das möchte, ist das ihre Entscheidung. Unsere Empfehlung ist dann: Inklusivität über Bildsprache (diverse Porträts, echte Praxisfotos, sichtbare Barrierefreiheit) und Content-Entscheidungen (Patient:innen-Ängste explizit adressieren, verschiedene Lebenssituationen abbilden) auszudrücken — das sind stärkere Signale als Schreibweise.
Wenn die Praxis dennoch gendern möchte, setzen wir es um. Unser Rat ist dann: eine Form konsequent durchhalten, auf jeder Seite, über den ganzen Auftritt. Halbes Gendering ist schlechter als gar keines.
Bei Stellenausschreibungen müssen wir doch gendern.
Ja — und das ist ein rechtliches Thema, kein stilistisches. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verlangt bei Stellenausschreibungen „m/w/d“. Das ist gesetzliche Pflicht, kein Gendering-Stil.
Die Kennzeichnung erfolgt standardmäßig an der Stellenbezeichnung: „Medizinische Fachangestellte (m/w/d)“. Das ist rechtssicher und überall anerkannt — und erfordert kein Sonderzeichen-Gendering im restlichen Text der Anzeige.
Die Trennung ist wichtig: AGG-Konformität in Stellenausschreibungen und stilistisches Gendering im Fließtext sind zwei verschiedene Themen.
Kernbotschaft in 30 Sekunden
Wir gendern auf Praxis-Websites bewusst nicht mit Sonderzeichen. Der Grund ist handwerklich, nicht politisch.
Unsere Zielgruppe umfasst ältere Menschen, Nicht-Muttersprachler und Menschen mit Sehbeeinträchtigungen. Für diese Gruppen sind Doppelpunkte in Wörtern eine Lesebarriere. Statt Sonderzeichen nutzen wir neutrale Formulierungen — „das Team“ statt „die Mitarbeiter:innen“, „Sie“ statt „Patient:innen“. Das schließt alle ein, ohne jemanden zu markieren. Das ist aus unserer Sicht die inklusivste Lösung.